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In der Behandlung des Themas "Die Armee im Südwesten des römischen Dakien" habe ich versucht, die bestehenden Informationen einer möglichst objektiven Analyse zu unterziehen. Die älteren und die neueren Daten wurden in betracht genommen und kritisch bewertet, um ein möglichst kohärentes und artikuliertes Bild der römischen Armee aus dem südwestlichen Teil Dakien zu gewinnen. Ich habe verschiedene Arten von Quellen benutzt - literarische, epigraphische, archäologische - soweit sie vorhanden sind. Desgleichen habe ich versucht, Vergleiche mit anderen Grenzgebieten des Imperium Romanum zu machen, dort wo die betreffenden Analogien zu einer größeren Klarheit dieses Bildes beizutragen vermögen.
Von den dakisch-römischen Verhältnissen im letzten Jahruhndert vor der Ereoberung Dakiens (106 n. Chr.) ausgehend, habe ich die Anfänge des römischen Verteidigungssystemes in diesem Teil Dakiens, mit der Überzeugung, daß das richtige Verstehen und die korrekte Bestandsaufnahme der Genese des Systems eine sine qua non-Bedingung für die Definierung und die Beschreibung dieses Systems mit allen seinen Elementen und Funktionen ist, und zwar während seiner gesamten Existenz.
Die Untersuchung des militärischen Systems wurde chronologisch durchgenommen, nach Etappen die nicht willkürlich bestimmt wurden, sondern eine gewisse innere Kohärenz und Konsistenz aufweisen. Aus dieser diachronischen Behandlung ergab sich das Bild eines Systems das in einigen Etappen wichtige Änderungen kannte (wie, z. B., unter Trajan, in der Zeit des Hadrian oder derjenigen des Antoninus Pius ), so wie auch Etappen in denen die Änderungen gering waren oder gar fehlten (wie die Regierungszeit des Commodus oder die der Severer). Die Änderungen im System bedeuteten Truppen-versetzungen und die Aufgabe einiger Befestigungen (am Anfang der Regierungszeit Hadrians), die Verlegung von neuen Truppen nach Südwestdakien (unter Hadrian und Antoninus Pius), nicht auch aber die Änderung der Grundprinzipien in der Weise, wie die Rolle der Armee in diesem Gebiet konzipiert war. Dies ist übrigens ein allgemeines Merkmal des ganzen Römerreiches, trotz der schweren "Warnungen" der Konflikte wie die "Markomannenkriege". Die eigentlichen gründ-lichen Umwandlungen des römischen Heeres und der Verteidigungsysteme entstanden erst mit der Zeit der Tetrarchie und des Dominats, als die norddonauliche römische Provinz Dakien schon aufgehört hatte zu existieren.
Eine der Grundfragen des Themas dieser Abhandlung war (und bleibt immer noch) diejenige der Trasse der Grenze der Provinz Dakien und -geichzeitig - des Römerreiches im Südwesten dieser Provinz. In der Behandlung dieser Frage bin ich von einer Grundvoraussetzung ausgegangen, nämlich, daß in einer kaiserlichen, am "Barbaricum" angrenzenden Provinz, die Grenze der Provinz im Sinne eines nach den römischen Gesetzen organisierten Territoriums größtenteils mit der Grenze desjenigen Gebietes übereinstimmt, das von den letzten Befestigungslinien mit selbstständigen Militäreinheiten (legiones, alae, cohortes, numeri) am Rande der Provinz begrenzt wird. Dies ist das Gebiet, in dem die Bodeneigentumsverhältnisse und - damit - der juridische und steuerliche Status verschiedener Zonen die sich intra provinciam befinden durch Gesetz (lex provinciae, forma provinciae) festgelegt werden. Wenn wir den Begriff provincia aus dem Gesichstpunkt des Kompetenzbereiches des betreffenden Statthalters ansehen, sein Aktions- und Verantwortungsraum konnte und mußte sich sogar auch außerhalb des oben definierten Territoriums ausdehnen, d. h. den Teil des "Barbaricums" umfassen, der vor der Grenze der organisierten Provinz lag.
Gemäß diesen Definitionen erstreckte sich die Provinz Dakien in ihrem südwestlichen Teil in der ersten Phase (die Zeit Trajans) wahrscheinlich bis zur Straße mit Befestigungen Lederata-Arcidava-Berzobis-Tibiscum, so daß die Provinz nur das Ostbanat umfaßte. Wie ich im Kapitel V gezeigt habe, konnte diese Tatsache von mehreren Faktoren bestimmt werden, darunter derjenige, daß dies einer der Einmarschwege der römischen Truppen ins dakische Gebiet war sowohl während der Expedition von Tettius Iulianus als auch v. a. des von Trajan selbst geführten Angriffs. Die Wahl dieses Weges war kein Zufall, da er an der Grenze zwischen dem östlichen, höheren und dem westlichen, niedrigeren Banat verlief; das letzte Gebiet war größtenteils wegen der natürlichen Gegebenheiten (Sümpfe, deltaähnliche Zonen usw.) unbegehbar. Nach der Errichtung der Provinz Dakien wurde das Westbanat eben wegen der oben angeführten Bedingungen in die Provinz nicnt eingeschlossen.
Es ist noch nicht klar, was mit der militärischen Südwestgrenze Dakiens am Anfang der Regierungszeit Hadrians geschehen ist, als nach allen bisher verfügbaren Indizien, die Befestigungen von der von mir hier als "westliche Straße" bezeichneten Straße von der Armee verlassen wurden. Wir wissen nicht, welche Folgen dieser Rückzug für das Ostbanater Gebiet gehabt hat und wie die Sicherheit der Südwestgrenze ab diesem Zeitpunkt geschaffen wurde (durch Verträge mit den Völkern von jenseits der Grenze?). Wir können jedoch eine andere wahrscheinliche Konsequenz dieser Maßnahme auf römischer Seite feststellen, nämlich die Vergrößerung eben am Anfang der Zeit Hadrians des Militärzentrums von Tibiscum, durch die Verlegung dorthin, neben der schon vorhandenen Kohorte, der palmy-renischen Einheit, die später numerus Palmyrenorum Tibiscensium wurde. Ähnliche Zentren in was die Größe und die Soldatenzahl betrifft wurden zur selben Zeit auch an der restlichen Westgrenze Dakiens geschaffen: In Micia, durch die Hinzufügung am Anfang der hadrianischen Zeit der ala I Hispanorum Campagonum zur schon vom Anfang der Provinz in Micia stationierten cohors II Flavia Commagenorum; in Porolissum, ebenfalls durch die Verlegung des palmyrenischen Truppenteils, d. h. des späteren numerus Palmyrenorum Porolissensium, neben den schon vorhandenen Einheiten. Etwas später, in der Zeitspanne 126-133, wurde auch das Kastell von Bologa vergrößert, um die in dieser Zeitspanne aus Oberpannonien gekommene cohors I Aelia gaesatorum milliaria und die schon dort stationierte cohors II Hispanorum scutata Cyrenaica gleichzeitig beherbergen zu können.
Die Frage, ob einer oder mehrere der Erdwälle, die das Banat auf der Nord-Süd-Achse durchqueren, in einer ihrer Phasen eine sichtbare Markierung des Provinzgebietes bedeutete, kann noch nicht eindeutig beantwortet werden. Wenn die Antwort positiv wäre, dann müßten wir auch andere, damit verbundene Fragen beantworten, wie ob dieser/diese Wall/Wälle ganz am Anfang der Provinz zu datieren sind oder später, ob er/sie infolge einer Entscheidung wie diejenige der Aufgabe der Befestigungen von der "westlichen Straße" Lederata-Berzobis-Tibiscum errichtet wurde(n) usw. Um diese Fragen lösen zu können bedarf es kontinuierlicher archäologischer Untersuchungen dieser Erdwälle; es ist erfreulich, daß eine derartige Untersuchung im Jahr 2004 an einem Erdwall in der Nähe von Temeswar (Timişoara) durchgeführt wurde (s. Kap. V, Anm. 64 in dieser Abhandlung), was den Anfang der Klärung der oben angeführten Aspekte darstellen könnte.
Das militärische System vom Südwesten des römischen Dakien hatte zwei Hauptfunktionen. Die erste war die Überwachung der Provinz- und Reichsgrenze in diesem Gebiet und die zweite war die Sicherheit der Kommunikationswege der Provinz mit dem restlichen Römerreich über Moesia Superior. Es ist bedeutungsvoll, daß diese letztere Funktion, gemäß den nach der Mitte des 3. Jh. n. Chr. datierten epigraphischen Denkmälern von der "östlichen Straße" Dierna-Tibiscum (s. oben, Kap. IV) bis zur offiziellen Aufgabe Dakiens unter dem Kaiser Aurelian behalten wurde.
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