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Das Buch, dem ich hier gerne ein Geleitwort beifüge, zeigt noch einmal wie trügerisch der Schein sein kann. Das römische Banat gibt den Eindruck eines ausreichend bekannten Gebietes. Vom Ende des 17. Jh. und vom 18. Jh. an signalisierten bedeutende Gelehrte wie Marsigli und Griselini die römischen Ruinen. Diese Beschäftigung setzte im 19. Jh. fort, wenn auch gegen das Ende dieses Jahrhunderts und am Anfang des 20. Jh. die archäologischen Ausgrabungen im Banat vorwiegend die prähistorischen Stationen visierten. In der 2. Hälfte des 20. Jh. wurden die Ausgrabungen in römerzeitlichen Objekten immer zahlreicher, es wurden neue Sammlungen und Museen gegründet, es entstanden Jahrbücher der Museen, man organisierte periodische wissenschaftliche Kolloquien und publizierte Synthesearbeiten und Monographien. Alles gab den Eindruck einer efferveszenten Forschung mit entsprechenden Resultaten. Von der Nähe betrachtet – so wie es Eduard Nemeth tut – sieht die Situation jedoch anders aus. Mit der Ausnahme von Tibiscum, das früher und auch heuer intensiv erforscht wird, waren die Ausgrabungen in allen anderen römischen Stationen sporadisch, mit langen Lücken zwischen Grabungskampagnen, mit häufigen Wechseln der Archäologen und mit summarisch publizierten Ergebnissen. Die archäologischen Forschungen im römischen Banat waren nicht nur unzureichend, sondern hatten manchmal auch unschlüssige Resultate. Zu diesem Tatbestand fügt sich für das römische Banat eines der "Probleme" der Provinzialgeschichte Dakiens: die Westgrenze. Die Grenze steht in enger Verbindung mit der römischen Armee und dem Verteidigungssystem im Banat, so, dass der Verfasser dieses "Problem" keinesfalls umgehen konnte. Die Schwierigkeit, sich für eine Trasse der Westgrenze der Provinz Dacia im Banat zu entscheiden, hat zwei Ursachen: die Unzulänglichkeit der archäologischen Forschungen (sowohl als untersuchte Orte wie auch als Kontinuität der Forschung) und das unzureichende Verstehen der Funktionen der römischen Grenze, die allzu oft irrtümlicherweise mit einer modernen Grenze verglichen wird. Der Verfasser ist also vorsichtig vorgegangen, als er den Forschungsstand akzeptierte und seine Meinungen korrekterweise präsentierte. So vermied er die ungenügend basierten Stellungnahmen in einem Bereich, wo die Hypothesen ohnehin gezwungenermaßen noch zahlreich sind.
Die historischen Prämissen der vorliegenden Abhandlung befinden sich in den dakisch-römischen Beziehungen vom 1. Jh. der nachchristlichen Zeit, von den ersten römischen Aktionen nördlich von der Donau bis zu den Konflikten aus Domitians und Trajans Zeit. Interessant finde ich die Hypothesen betreffend die Anwesenheit einiger vortrajanischen römischen Garnisonen in Vărădia (Ort "Chilii") und in Surducu Mare. Es ist gleichzeitig möglich, daß die erste Phase des kleinen Kastells von Tibiscum in die Zeit zwischen den Dakerkriegen Trajans zu datieren sei.
In der Organisierung und Funktionierung des römischen Verteidigungs-systems aus dem Banat unterscheidet der Verfasser begründete chronologische Etappen: die I. Etappe – die Zeit Trajans, gefolgt von der Zeitspanne zwischen dem Beginn der Regierung Hadrians bis einschließlich den Markomannenkriegen und eine letzte Etappe, die mit den Severern anfängt und mit dem Aufhören der römischen Herrschaft endet. Für die Bezeichnung der zwei römischen Befestigungslinien die das Banat durchqueren, benutzt Eduard Nemeth die Begriffe "westliche Straße" – die von Lederata abläuft und die "östliche Straße" – die ihren Anfang in Dierna hat. Beide Straßen vereinigen sich in Tibiscum. Diese Terminologie ist schon von vornherein für die Auffassung des Autors über "Befestigungslinien", "Limes" oder "bewachte Straße" einleuchtend.
Manche Befestigungen von der westlichen Straße datieren schon aus der Zeit der Kriege gegen Dekebal. Die möglichen trajanszeitlichen Phasen haben wenige und nicht immer offensichtliche Spuren hinterlassen. Sie sind in Banatska Palanka vorhanden, hypothetisch in Werschetz, gut dokumentiert jedoch in Vărădia (was sich hier einschließlich infolge der neueren Ausgrabungen des Verfassers ergab), desgleichen in Surducul Mare. Berzovia, trajanszeitliches Legionslager, war der Stationierungsort der legion IV Flavia felix. Ein Fragezeichen besteht noch betreffend das Vorhandensein von Kastellen aus Trajans Zeit an der "östlichen Straße". In Orşova haben wir nicht einmal klare Nachweise für das Vorhandensein eines Kastells. In Mehadia wäre die Existenz der Erdphase des Kastells durch den Erdwall nachgewiesen. Der Erdwall, der die Steinumwehrung "unterstützt" bedeutet aber nicht unbedingt das Vorhandenseiin einer Erdphase. In Teregova könnten die neuen Ausgrabungen chronologische Präzisierungen bringen. Das erste castellum von Tibiscum sei in die Zeitspanne 102-105 zu datieren, aber Tibiscum befand sich an der Kreuzung zwischen der "östlichen" und der "westlichen Straße".
Was die Situation im Banat beginnend mit der Regierungszeit Hadrians anbelangt, steht der Verfasser vor einem Dilemma: Wurde die "westliche Straße" verlassen oder nicht ? Das archäologische Argument, das für die Aufgabe der Kastelle von der westlichen Abwehrlinie ab Hadrians Zeit plädiert – was auch eine Folge des heutigen Forschungsstandes sein könnte – ist vom logischen Argument widersprochen: Die Aufgabe der westlichen Straße hätte Südwestdakien ungeschützt gelassen, eben das Gebiet also, das vom ganzen Banat ökonomisch interessant war. Andererseits gibt es keine klare Hinweise, daß die "östliche Straße" unter dem Kaiser Hadrian eine Verteidigungsfunktion übernehmen konnte.
Im vorliegenden Buch werden die Beziehungen der Römer mit den Jazygen an der Donau und auf den Donauinseln dargestellt. Die Markomannenkriege führten zu keinen großen Änderungen in der Truppendislokation im Banat, während die Friedensverträge des Commodus Südwestdakien nicht betroffen zu haben scheinen. Expeditio Sarmatica aus dem Jahr 185 war wahrscheinlich eine Strafexpedition gegen die sarmatischen Jazygen.
Unter Septimius Severus kennt man wenige Truppenbewegungen im Banat. Caracallas Besuch hatte keine Verbindung mit Südwestdakien, da sein Ziel Dacia Porolissensis war. Die Inschrift aus dem Jahr 213 vom Apollotempel aus Iaz-Tibiscum, worauf der Name des Kaisers auftaucht, soll mit der Krankheit des Kaisers in Verbindung gesetzt werden, ein Grund aus dem sich Caracalla an mehrere Tmepel wendete. Wenige epigraphische Nachrichten haben wir aus den Banater Kastellen für die Zeit der Kaiser Maximinus Thrax und Gordian III. Unter Philippus Arabs visierten die Abwehrmaßnahmen der Provinz Dacia vorwiegend den südöstlichen Teil (die Kleine Walachei, Südostsiebenbürgen), da die Gefahr jetzt von den Karpen und den Goten kam.
Unter Valerianus und Gallienus funktionierte die "östliche Straße" und sicherte die Verbindung zwischen Dakien und Obermoesien fort. Über die "westliche Straße" oder die Überwachungsbefestigungen vom Marosch-Tal hat man aus dieser Zeit aber keine Informationen. Nach Aurelian gab es Befestigungen in Pojejena und Gornea, während das Vorhandensein einer spätrömischen Festung in Mehadia nicht sicher ist.
Ein bedeutendes Kapitel ist der Frage der südwestlichen Grenze Dakiens gewidmet. Die wesentlichen Thesen des Buches in diesem Bereich sind: Es gab keine Notwendigkeit für Trajan, das Westbanat zu besetzen denn: a) die Jazygen wohnten damals nur nördlich von der Marosch; b) es gab keine dakischen Befestigungen südlich von diesem Fluß; c) das Gebiet war sümpfig, was eine natürliche "Verteidigung" sicherte; d) das Westbanat war aus ökonomischem Gesichtspunkt "uninteressant". Es ergibt sich, daß, während der Dakerkriege Trajans, der westliche Teil des Banates bis zur Theiß nicht besetzt wurde. Begründet scheinen mir die Vergleiche mit anderen Gebieten des Imperium Romanum zu sein. Die Ostgrenze des Römerreiches in Arabien und Syrien für die Zeit Hadrians wird paralell zu einer Reihe von Befestigungen gezeichnet, die in der Wirklichkeit die Funktion der Überwachung der entsprechenden Straße hatte. Die Südgrenze der afrikanischen Provinzen war nicht diejenige, die man vor ein paar Jahrzehnten nachzeichnete, nämlich eine kontinuierliche befestigte Linie. Solche "Grenzen" bewachten die Straßen und die obligatorischen Durchgangsorte (die Oasen). Die Westgrenze Dakiens durch das Banat folgte also - unter Trajan – der Trasse der westlichen Straße bis Tibiscum; von dort gab es zwei Möglichkeiten, von denen mir der Verlauf über Micia wahrscheinlicher als derjenige über Bulci scheint. Vom Gesichtspunkt der Kompetenz des Statthalters konnte sich die provincia auch im Westbanat bis zur Theiß ausdehnen (die Tacitus-Stelle, die von der politisch-militärischen Kompetenz der Statthalter was die externae gentes betrifft spricht, ist diesbezüglich einleuchtend). An der Theiß wäre diese Zuständigkeit mit der entsprechenden Kompetenz des niederpannonischen Statthalters in Berührung gekommen. Die Völker von jenseits der Grenzen waren als Teile des Römerreiches, nicht jedoch auch als Teile einer organisierten Provinz angesehen.
Wer von dieser Arbeit endgültige Antworten auf die umstrittenen Fragen der Banater Geschichte unter den Römern erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht sein. Der Autor läßt sich vom kartesianischen Gedanken dubito, ergo cogito führen. Mit Fachkompetenz geschrieben, markiert dieses Buch kein Wegende, sondern ein paar Vorwärtsschritte: die heutige Geschichtsschreibung wird das Buch des Kollegen Eduard Nemeth berücksichtigen müssen.
Prof. Dr. Mihai BĂRBULESCU
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